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Expedition in die Dunkelheit – unser Blog aus Spitzbergen

 
 

25. April bis 9. Mai 2026

Nach Monaten der Dunkelheit hat sich die Arktis ganz schön verändert. Zum dritten Mal dieses Jahr ist das Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie nach Spitzbergen gereist. Dieses Mal traf das Team um Katrin Knittel auf ganz andere Bedingungen: das niemals endende Licht der Mitternachtssonne, und ein Ozean, der auf bemerkenswerte Weise zum Leben erwacht ist.

Svalbard
Die Bedingungen im Hohen Norden haben sich verändert, die Sonne lässt Eis und Schnee zusehends schwinden. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Aus der Finsternis zur Blüte

Bei seiner Rückkehr zu den bekannten Probenahmestellen im Isfjorden erleben die Reisenden die Arktis nun im 24-stündigen Tageslicht.

Im Wasser, angetrieben durch Licht und wärmere Temperaturen um den Gefrierpunkt, gibt es nun eine ausgeprägte Frühjahrsblüte. Das Meer erscheint grün, es gibt jede Menge Phyto- und Zooplankton, die die Basis für ein komplexes Nahrungsnetz bilden.

Dieser saisonale Wandel geht auch an den Bakterien nicht spurlos vorüber. Im Vergleich zur vorherigen Expedition im März hat sich ihre Anzahl im Meerwasser etwa verfünffacht. Zudem sind sie deutlich aktiver: Messungen zeigen einen höheren Sauerstoffverbrauch sowie höhere Abbauraten von Peptiden und Zuckern. Offensichtlich gibt es reichlich leckeres Futter, vermutlich weil durch die Algenblüte viel frisches organisches Material freigesetzt wird.

MS Farm
Das kleine Forschungsschiff MS Farm im Isfjord. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Reges Treiben über und unter Wasser

Die Rückkehr des Lichts hat nicht nur das mikroskopische Leben geweckt. Auch viele Vögel sind zu der Inselgruppe zurückgekehrt. An einem Probenahmetag zog eine Gruppe von Belugawalen dicht am Forschungsschiff vorbei: Ein unvergesslicher Anblick für das Team!

Gleichzeitig wird das Arbeiten so in mancherlei Hinsicht einfacher. Durch die milden Temperaturen ist schon viel Schnee geschmolzen. An Bord macht sich das sofort bemerkbar: Die Geräte laufen zuverlässiger und Routinearbeiten wie das Filtrieren von Meerwasser sind nicht mehr ein solcher Kampf gegen Eis und Kälte.

Filtern
Das Filtern von Meerwasser (links) ist bei den milderen Temperaturen deutlich einfacher, ebenso wie die Probenahme von Sediment mit dem Ellrott-Greifer. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Forschung unter der Mitternachtssonne

Trotzdem ist die wissenschaftliche Arbeit intensiv und anstrengend. Wenn die Sonne nie untergeht, folgt auch die Arbeit einem anderen Rhythmus. Durch das kontinuierliche Tageslicht wird man nicht so schnell müde, sodass lange und produktive Arbeitstage auf See und im Labor möglich sind.

Auch zwei Jungforschende sind diesmal Teil der Expedition: Malena Heinrichs und Paul Mock, Masterstudierende unseres MarMic-Programms, unterstützen das Team. Im Rahmen ihrer Laborrotation helfen sie bei den Probenahmen und erhalten einen direkten Einblick in die arktische Forschungsarbeit. Eine Erfahrung, die sie sicherlich nicht vergessen werden!

Polarfuchs
Vorsicht Polarfuchs! Wenn die Temperaturen steigen und der Schnee schmilzt, erobert das Leben die Landschaft zurück. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

So geht es weiter

Auch diesmal bringt das Team neben vielen schönen Eindrücken und einem gewissen Schlafmangel eine Fülle von Proben und Daten mit, die den Arktischen Ozean in einem völlig anderen jahreszeitlichen Zustand zeigen.

Der erste Vergleich zwischen den dunklen Wintermonaten und der mit bloßem Auge erkennbaren, üppigen Frühlingsblüte zeigt bereits, wie stark das Leben im Ozean auf sich verändernde Umweltbedingungen reagiert. Weitere Analysen im Labor werden nun helfen, diese Zusammenhänge und ihre Rolle in den globalen biogeochemischen Kreisläufen besser zu verstehen.

Die nächste Expedition nach Svalbard ist schon in Planung, Ende Juni geht es wieder dorthin – wir halten Euch auf dem Laufenden!

9. bis 22. März 2026

Ex­pe­di­ti­on in die Dun­kel­heit – jetzt im strah­len­den Licht!

Anfang März haben wir uns zu unserer zweiten Svalbard-Expedition des Jahres aufgemacht. Und auch diesmal war sie ein ebenso herausforderndes wie faszinierendes Unterfangen. Trotz der harschen Wetterbedingungen konnte unser Team um Projektleiterin Katrin Knittel alle geplanten Proben nehmen und kehrt mit wertvollem Material zur weiteren Untersuchung nach Bremen zurück.
Svalbard
Wunderschönes Svalbard – die Sonne ist zurück und lässt die beeindruckende Landschaft erstrahlen. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

War­um sam­meln wir Pro­ben im Ark­ti­schen Oze­an?

Auf den ers­ten Blick ist der Ark­ti­sche Oze­an nicht ge­ra­de le­bens­freund­lich, ins­be­son­de­re im Win­ter. Vie­le Mo­na­te ist es dun­kel, die Tem­pe­ra­tur kann auf un­ter -30°C sin­ken. Un­ter der Was­ser­ober­flä­che je­doch wimmelt es das ganze Jahr lang von Leben. Win­zi­ge Al­gen le­ben im Was­ser und neh­men Koh­len­di­oxid auf, ver­wan­deln es in Bio­mas­se und bil­den so die Grund­la­ge des ma­ri­nen Nah­rungs­net­zes. Wenn sie ster­ben, übernehmen die Bakterien: Sie zer­le­gen die Bio­mas­se, re­cy­clen sie und set­zen den Koh­len­stoff und die ent­hal­te­nen Nähr­stof­fe wie­der frei. So geht das bis ganz nach un­ten: Die san­di­gen Se­di­men­te am Mee­res­bo­den, in de­nen zahl­rei­che Bak­te­ri­en le­ben, wir­ken wie ein rie­si­ger bio­lo­gi­scher Fil­ter für ver­schie­de­ne Sub­stan­zen im Was­ser.

Wir wol­len her­aus­fin­den, wie die Ge­mein­schaft der Mi­kro­or­ga­nis­men mit den ex­tre­men Jah­res­zei­ten in der Ark­tis um­geht und wie eng das Le­ben im Mee­res­bo­den mit dem dar­über­lie­gen­den Was­ser ver­knüpft ist. Das kann uns da­bei hel­fen, die Wege des Koh­len­stoffs und an­de­rer Nähr­stof­fe im Oze­an bes­ser zu ver­ste­hen. Und dazu müs­sen wir an Bord ge­hen, um an das eis­kal­te Was­ser und den Sand zu kom­men.

Das Wet­ter gibt den Takt vor

Dies­mal zeigt sich Spitz­ber­gen von sei­ner eher un­freund­li­chen Sei­te. Die Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu -12°C füh­len sich we­gen des star­ken Win­des an wie -20°C und we­ni­ger. Ge­ne­rell ist es zu­meist sehr win­dig mit Wind­stär­ken häu­fig um die 5 bis 6 Be­aufort; meh­re­re Stür­me zie­hen über die Re­gi­on hin­weg. Nichts für schwa­che Ner­ven und emp­find­li­che Mä­gen!

Eine gan­ze Wei­le sind wir nicht si­cher, ob un­ser Schiff über­haupt ab­le­gen kann. Fle­xi­bi­li­tät und Spon­ta­nei­tät sind ge­fragt! So kommt es, dass ein paar von uns gleich am ers­ten Tag nach un­se­rer Lan­dung in Lon­gye­ar­by­en an Bord ge­hen und los­schip­pern, wäh­rend die üb­ri­gen Team­mit­glie­der an Land blei­ben und das La­bor ein­rich­ten. So kön­nen wir die kur­zen Zeit­fens­ter, in de­nen das Wet­ter eine Pro­ben­nah­me zu­lässt, op­ti­mal aus­nut­zen.

"Schlim­mer geht im­mer!"

Ins­ge­samt kön­nen wir an drei Ta­gen mit dem klei­nen For­schungs­schiff MS Farm ab­le­gen, Mes­sun­gen durch­füh­ren und Pro­ben sam­meln – je­des Mal bei sehr un­ter­schied­li­chen Be­din­gun­gen.

An un­se­rem zwei­ten Tag auf See ist es bei­spiels­wei­se noch käl­ter als am ers­ten. Auf der Mee­res­ober­flä­che bil­det sich Schnee­matsch und so­ge­nann­tes Pfann­ku­chen­eis. Die­ses be­steht aus klei­nen run­den Schei­ben aus Eis und bil­det sich vor al­lem bei star­kem Wel­len­gang. Die ho­hen Wel­len und das star­ke Schau­keln des Schiffs ma­chen die Ar­beit an Bord an die­sem Tag zu ei­ner be­son­de­ren Her­aus­for­de­rung. Selbst das Fil­trie­ren des See­was­sers wird zu ei­nem Ren­nen ge­gen die Zeit: Das Was­ser ge­friert di­rekt auf den Fil­tern! So schnell es geht schnap­pen wir mit un­se­ren eis­kal­ten Hän­den al­les, was wir brau­chen, und ma­chen uns auf den Rück­weg in den si­che­ren Ha­fen.

Un­ser drit­ter und letz­ter Schiffs­tag ent­schä­digt uns schließ­lich mit ver­gleichs­wei­se mil­den Be­din­gun­gen für die Stra­pa­zen der ers­ten Tage. Bei schlap­pen -4°C und nur leich­tem Wind läuft die Ar­beit auf See rei­bungs­los, wir fin­den ei­nen ver­söhn­li­chen Ab­schluss der Pro­ben­nah­me­kam­pa­gne.

Pfannkucheneis
Pfannkucheneis auf dem Isfjord. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Oben wie un­ten: ein dy­na­mi­scher Mee­res­bo­den mit mys­te­riö­sen DNA-Bäll­chen

Im Oze­an ist al­les mit­ein­an­der ver­bun­den: Stür­me, Wel­len und Strö­mun­gen ver­än­dern ste­tig die Ober­flä­che des Mee­res­bo­dens und schaf­fen so wech­seln­de Be­din­gun­gen für Mi­kro­or­ga­nis­men und an­de­re Le­be­we­sen.

Nach dem ers­ten gro­ßen Sturm fin­den wir herr­lich kla­re Rip­pel am san­di­gen Mee­res­bo­den vor. Wir se­hen zahl­rei­che klei­ne, run­de Struk­tu­ren im Po­ren­was­ser zwi­schen den Sand­kör­nern. Sie ha­ben ei­nen Durch­mes­ser von drei bis fünf Mi­kro­me­tern, klei­ner als Fein­staub­par­ti­kel. Die­se Struk­tu­ren ent­hal­ten DNA und sind ver­mut­lich ein­zel­li­ge Eu­ka­ryo­ten (Pro­tis­ten), aber ih­nen fehlt die sonst un­ter pho­to­syn­the­ti­schen Mi­kro­or­ga­nis­men weit ver­brei­te­te na­tür­li­che Fluo­res­zenz. Wir ver­su­chen nun her­aus­zu­fin­den, wer die­se Or­ga­nis­men sind und was sie im Öko­sys­tem ma­chen.

Nach ei­nem wei­te­ren Sturm ver­än­dert sich der Mee­res­bo­den: An un­se­rem drit­ten Schiffs­tag hängt eine Wol­ke aus Schweb­stof­fen über dem Grund. Es ist das ers­te Mal, dass wir die­ses auf­fäl­li­ge Phä­no­men be­ob­ach­ten und es ge­lingt uns so­gar, es auf Vi­deo zu ban­nen.

Proben
Man sollte sich besser beeilen, bevor die Proben und die Geräte einfrieren. (© R. Amann/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Die Ruhe nach dem Sturm

Kurz be­vor un­ser For­schungs­auf­ent­halt zu Ende war und wir wie­der ab­rei­sen muss­ten, zeigt sich Sval­bard noch ein­mal von sei­ner bes­ten Sei­te. Das Wet­ter ver­bes­sert sich deut­lich. Zum ers­ten Mal seit un­se­rer An­kunft kön­nen wir die Ber­ge und Tä­ler rund um Lon­gye­ar­by­en, die nörd­lichs­te Stadt der Welt, deut­lich er­ken­nen. Bis da­hin war die Land­schaft ver­bor­gen ge­blie­ben hin­ter Wol­ken und Schnee­flo­cken. Aber jetzt, bei kla­rem Him­mel, ent­fal­tet die Ark­tis ihre gan­ze Schön­heit.

Ein wis­sen­schaft­li­cher Er­folg

Trotz der vie­len Her­aus­for­de­run­gen ist es uns ge­lun­gen, alle ge­plan­ten Pro­ben zu sam­meln und un­se­re Feld­ar­beit wie vor­ge­se­hen durch­zu­füh­ren. Jetzt sind wir zu­rück am Max-Planck-In­sti­tut in Bre­men mit ei­ner Fül­le von Ma­te­ri­al und hof­fent­lich bald auch ei­ni­gen Ant­wor­ten auf un­se­re wis­sen­schaft­li­chen Fra­gen.

Nun sta­peln sich die Kis­ten in un­se­rem La­ger­raum in Lon­gye­ar­by­en und war­ten auf un­se­re Rück­kehr. Die nächs­te Ex­pe­di­ti­on nach Spitz­ber­gen ist für April ge­plant. Wir hal­ten euch auf dem Lau­fen­den!

26. Januar 2026

Unsere Polarreisenden sind aus dem hohen Norden wiedergekehrt, mit vielen schönen Eindrücken und vor allem jeder Menge wertvoller Proben und Daten im Gepäck. Nun sind Katrin Knittel und ihr Team wieder am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Labor, Werkstatt und Büro aktiv, um den gesammelten Proben erste Informationen zu entlocken. Während ein Teil des Teams noch die letzte Expedition nachbereitet, laufen die Vorbereitungen für die nächste bereits auf Hochtouren. Unsere Technikerinnen haben in Zusammenarbeit mit dem Sequenzierzentrum der Max-Planck-Gesellschaft in Köln und mit großem Einsatz bereits DNA-Sequenzen von Bakterien aus den gesammelten Wasser- und Sedimentproben gewonnen. Diese Daten bilden die Grundlage, um die nächste Probennahme gezielt an die neuen Erkenntnisse anzupassen und optimal vorzubereiten. Gleichzeitig werden in Bremen auch schon wieder Transportkisten mit zusätzlicher wissenschaftlicher Ausrüstung gepackt. Die nächste Expedition nach Svalbard steht kurz bevor: Am 9. März machen sich unsere Forschenden wieder auf den Weg in die Arktis.

Wir hoffen dann wieder auf tolle Bilder und Geschichten, die uns die spannende Arbeit in der marinen Mikrobiologie näherbringen!

10. bis 24. Januar 2026

Während der Norden Deutschlands Mitte Januar im Schneechaos zu versinken drohte, machten sich Forschende des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie auf den Weg in noch winterlichere Gefilde: nach Spitzbergen. Die zu Norwegen gehörende Inselgruppe liegt weit oben im Arktischen Ozean, wo der Winter besonders dunkel, kalt und eindrucksvoll ist.

Nordlichter Über Svalbard
Die Forschenden vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie bewundern die Nordlichter (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Das Team rund um Projektleiterin Katrin Knittel,das sich nun in den hohen Norden gewagt hat, interessiert sich insbesondere für das Leben von Bakterien in sandigen Küstenböden (Küstensedimenten) und ihre enge Verbindung zum darüberliegenden Wasser. Aus früheren Expeditionen kennen die ForschendenProbennahmestellen im Isfjorden auf der Westseite der Insel, die sie nun erneut besuchen werden. Um dahin zu gelangen und Proben zu nehmen, nutzt das Team aus Bremen das altgediente kleine Forschungsschiff MS Farm, das schon länger durch das Polarmeer fährt als der berühmte Eisbrecher Polarstern.

Arbeit unter buntem Himmel

Auf dem Forschungsschiff
Forschen unter Nordlicht. An Bord der MS Farm warten die Bremer Forschenden auf die Ankunft des Ellrott-Grab, der eine Probe des Meeresbodens an Bord bringt. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Aktuell herrscht auf Spitzbergen die Polarnacht. Licht ist allenfalls vom Mond zu erwarten – oder von Polarlichtern. Diese auch als Aurora borealis bekannten Lichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen der Sonne auf Gasteilchen in der Erdatmosphäre treffen. Je nach Gasart leuchtet der Himmel dann grün, violett oder rot. Manche Polarlichter sind sehr ruhig, andere wirken wie ein phantastisches Feuerwerk. Unsere Forschenden hatten in den ersten Tagen der Expedition gleich mehrmals das Glück, Polarlichter bestaunen zu können. „Immer wieder strahlen die bunten Lichter. Es ist der ganze Himmel voll: Vor uns, über uns, hinter uns – egal, wohin man blickt. Das ist wirklich sehr eindrucksvoll“, berichtet Knittel. „Den einen Tag tanzten die Lichter über den Himmel, den anderen Tag waren sie eher ruhig. Mal in vielen Farben und dann wieder so, dass sich der gesamte Himmel rosarot färbte.“

Bakterien im Wandel der Jahreszeiten

So groß die Bewunderung für dieses Naturphänomen auch ist, im Mittelpunkt der Reise steht die Forschung. Knittel und ihr Team nehmen Proben vom Meeresboden und aus dem Meerwasser, um die darin lebenden Bakterien zu untersuchen. Dabei werden u. a. die Auswirkungen der Jahreszeiten und die damit verbundenen Veränderungen im Nährstoff- und Partikeleintrag in den Meeresboden untersucht. Schon seit Jahren beobachten Forschende unseres Instituts bei Bakterien im Wasser (Bakterioplankton) in der Deutschen Bucht vor Helgoland deutliche jahreszeitliche Veränderungen der bakteriellen Gemeinschaften und ihrer Funktionen.Solche saisonalen Anpassungen auch bei den Bakterien des Meeresbodens nachzuweisen ist deutlich schwieriger. Spitzbergen liegt auf 78 Grad Nord und bietet mit drei Monaten Polarnacht im Winter und Rund-um-die-Uhr-Tageslicht im Sommer ideale Bedingungen, um diese Fragestellung zu untersuchen. Hinzu kommt, dass ein Ausläufer des Golfstroms und der fortschreitende Klimawandel den Isfjorden ganzjährig eisfrei halten.

Biologische Filter

Und warum interessiert uns das? Sandige Küstensedimente sind für die globalen Stoffkreisläufe sehr wichtig. Dort wird organisches Material, das von Algenblüten im Wasser oder aus Flüssen stammt, sehr effizient von Bakterien abgebaut. Die Küstensande wirken so wie große biologische Filter, die das Meer reinigen. Durch die Mineralisierung wird ganzjährig Biomasse zu Nährstoffen zerlegt, die zusammen mit Sonne, Wasser und Kohlendioxid die Grundlage für die Photosynthese bilden. So werden die biogeochemischen Kreisläufe geschlossen und die Grundlagen für das Leben erhalten.

Ellrott-Grab
Abb. 3: Auch im Dunkeln: Der Ellrott-Grab hat eine Sedimentprobe an Bord gebracht. (© C. Arnosti/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Spannende Aussichten

Im Jahr 2026 planen Knittel und ihr Team insgesamt fünf Expeditionen nach Spitzbergen. So können sie Proben und Daten aus allen Jahreszeiten sammeln.

Wir werden weiter berichten, wie es den Polarforschenden dabei ergeht!

Das Team an Land unter tanzenden Polarlichtern. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)
Das Team an Land unter tanzenden Polarlichtern. (© K. Knittel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Mehr Informationen

Probenahme in der Arktis: Im Mai 2023 waren die Forschenden zum bislang letzten Mal in Svalbard, um Messungen vor Ort durchzuführen und Proben für die Erforschung des bakteriellen Kohlenstoffumsatzes im arktischen Meeresboden zu sammeln. (© F. Aspetsberger/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)
Probenahme in der Arktis: Im Mai 2023 waren die Forschenden zum bislang letzten Mal in Svalbard, um Messungen vor Ort durchzuführen und Proben für die Erforschung des bakteriellen Kohlenstoffumsatzes im arktischen Meeresboden zu sammeln. (© F. Aspetsberger/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

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