
10. August 2009
Pressemitteilung des AWI
Ausbrüche des Tiefsee-Schlammvulkans Haakon Mosby -
FS Polarstern-Expedition installiert Langzeitbeobachtungsstation in der Barentssee
Weblog von Bord der Polarstern 10. Juli – 3. August 2009
Hintergrund
Eine Gruppe Meeresforscher um Dirk de Beer vom Bremer
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und Antje Boetius von der
HGF-MPG-Brückengruppe für Tiefseeforschung fährt jetzt mit dem deutschen Forschungsschiff
Polarstern zum
Haakon-Mosby Schlammvulkan in der Barentssee nördlich von Norwegen. Dort werden sie im Rahmen des EU-Projekts
ESONET die Langzeitbeobachtungsstation „LOOME“ dicht am Zentrum dieses Schlammvulkans installieren, die für ein Jahr chemische, biologische und geophysikalische Parameter sammelt. Die Forscher wollen herausfinden, welche dieser Parameter am besten Ereignisse von Schlammvulkanismus vorhersagt. Anders als normale Vulkane beruhen Schlammvulkane nicht auf Ausbrüchen von heißem Magma, sondern entstehen aufgrund von Dichteunterschieden im Meeresboden.
Aus dem
Schlammvulkan Haakon-Mosby strömen neben Wasser und Schlamm ständig große Mengen des Treibhausgases Methan aus. Die Quelle dafür liegt etwa 3000 Meter unter dem Vulkan, daher ist der nach oben transportierte Schlamm auch wesentlich wärmer als das arktische Bodenwasser. Der Haakon Mosby Schlammvulkan ist nicht nur ein interessantes geologisches Phänomen, sondern auch von besonderen Tiefseeorganismen besiedelt. Untersuchungen zeigten, dass man drei verschiedene ringförmige Zonen um den Vulkan unterscheiden kann, die sich deutlich in Stoffflüssen und Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften unterscheiden lassen. Je nach physikalischer und chemischer Beschaffenheit haben sich verschiedene Mikroorganismen und Tiere angesiedelt, die das austretenden Methan oder seine Abbauprodukte als Nahrungsquelle nutzen.
Frühere Beobachtungen zeigten, dass die Temperatur des Vulkans eine wesentliche und relative einfach dauerhaft zu erfassende Messgröße ist. Aber es ist noch nicht klar wie die Temperaturgradienten mit den Schwankungen im Flüssigkeitstransport, der Verteilung von Gashydrat und den Gaseruptionen, aber auch mit der Verteilung der Lebensgemeinschaften korrelieren. Diese Kenntnis würde helfen Ausbrüche besser beobachten und vorherzusagen zu können. Dazu sollen mit der neuen Langzeitbeobachtungsstation weitere Parameter wie Strömung, Oberflächentemperatur, Seismik, Porendruck, Geochemie und Biologie über ein Jahr verfolgt werden.
Das Schlammvulkan-Observatorium:
LOOME steht für „Long-term Observation of Methane Eruption“. Finanziert wird das neue Observatorium vom Projekt
ESONET „ European Seas Observatory Network“ im 6. Rahmenprogramm der EU. Beteiligte Institutionen sind neben dem Bremer
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie das
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, die Universität Tromsø in Norwegen, das
IFREMER in Brest, das IFM-Geomar in Kiel und das
MARUM in Bremen. Weitere EU-Projekte, die in Verbindung mit LOOME und der jetzigen Ausfahrt zu nennen sind und die sich mit dem Haakon-Mosby-Schlammvulkan beschäftigen, sind das EU Projekt
HERMIONE (Hotspot Ecosystem Research and Man’s Impact on
European Seas) sowie das
Max Planck –
CNRS Forschungsprojekt DIWOOD.
Manfred Schlösser
VLNR: Man kann drei Bereiche des Schlammvulkans unterscheiden. Im Zentrum (orange) keine sichtbare Fauna, der weiße Gürtel ist von Schwefelbakterien (Beggiatoa) bedeckt und in der roten Zone leben Röhrenwürmer.(siehe auch
hier)
Quelle:
www.archimedix.de

Der Standort in der Barentssee vor Norwegen.