Der Stickstoff-Kreislauf im Meer hat ein Leck: die Anaerobe Ammoniak-Oxidation, kurz Anammox. Der Prozess wurde ursprünglich in einem Bioreaktor entdeckt; doch Anammox-Bakterien kommen auch in der Natur vor, wie der Geochemiker Marcel Kuypers und einige Kollegen 2003 und 2005 an verschiedenen Stellen nachgewiesen haben. Im Schwarzen Meer und in fast Sauerstoff-freien Ozeangebieten setzen Mikroben Ammoniak zu gasförmigem Stickstoff um, der dann in die Atmosphäre aufsteigt. So verlieren die Meere viele Nährstoffe, denn Stickstoffverbindungen sind der Dünger für Algen und somit die Grundlage für das gesamte Nahrungsnetz im Meer bis hin zum Fisch essenden Menschen. Die Anammox ist damit wichtiger als bislang vermutet wurde. Noch mehr Details zum Thema will die im Mai 2005 gegründete Selbständige Nachwuchsgruppe von Kuypers erfahren. Demnächst sollen noch andere Nährstoffprozesse erforscht werden – und zwar nicht nur die Senken, also bei welchen Prozessen Stoffe verloren gehen, sondern auch die Quellen, beispielsweise wie Stickstoff zu Nährstoffen wird.
Dabei bringen die Mitarbeiter verschiedene Disziplinen zusammen, unter anderem Biogeochemie, Ozeanographie, Molekularbiologie und Organische Chemie, denn neue Prozesse lassen sich nicht mit nur einer Methode nachweisen, schließlich hat jede Fehler und ihre Grenzen.
Selbständige Nachwuchsgruppen der Max-Planck-Gesellschaft
Die Chance, eigenverantwortlich zu forschen, die Freiheit, sich das Forschungsteam selbst zusammenzustellen, und die Sicherheit, mindestens fünf Jahre lang über einen gewissen Etat verfügen zu können: Das bietet die Max-Planck-Gesellschaft begabten jungen Wissenschaftlern im Rahmen von Selbständigen Nachwuchsgruppen. So sammeln die Forscher erste Erfahrungen als Gruppenleiter und schaffen eine Basis für ihre wissenschaftliche Karriere. Und die jeweiligen Institute, bei denen die Gruppen angesiedelt werden, gewinnen neue innovative Köpfe.